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Inforadio - Aufgegabelt
In seiner Sendung über kulinarische Genüsse beim Rundfunk Berlin-Brandenburg testet Reiner Veit das 'Atmende Glas' der Firma Eisch mit dem Sommelier Gerhard Retter und spricht mit dem Chef der neuartigen Weingläser, Eberhard Eisch.
Eisch breathable Glass - Ein Glas, das atmen kann
Heute kümmert sich Reiner Veit weniger um das,
was auf den Tisch oder ins Glas kommt, sondern viel mehr um das Wie. Es geht um ein Glas, das atmet.
Das 'breathable' Glas von Eisch
Die traditionsreiche Glashütte Eisch im Bayrischen Frauenau ist seit geraumer Zeit mit einem Glas auf dem Markt, das atmen kann! Atmen heißt in dem Fall, dass in einem 'breathable' Glas ein Wein seine volle Entwicklung bereits nach 2 bis 4 Minuten erreicht, also jenen Dekantiereffekt, für den üblicherweise eine oder anderthalb Stunden nötig sind. - Klingt klasse, funktioniert es auch und hat der Wein auch die versprochene dekantierte Klasse?
Ein Sommelier testet das Eisch Breathable Glas
Das wollte Reiner Veit zusammen mit dem Restaurantleiter im Lorenz Adlon und Sommelier Gerhard Retter - jüngst zum Oberkellner des Jahres gekürt - herausfinden. Er brachte die Gläser, je zwei 'atmende' und zwei 'normale' Eisch-Gläser gleicher Form, Gerhard Retter den Wein.
Gerhard Retter: 'Es ist ein wunderschöner Spanier, den wir hier haben, ein Cabernet Sauvignon 2000 Gran Reserva Corona aus der Penedes-Region. Es ist eine Top-Selektion des Hauses. Den tun wir hier mal in die unbehandelten Gläser.'
Reiner Veit: 'Glauben Sie denn daran?'
Gerhard Retter: 'Der Glaube kann Berge versetzen. Sagen wir mal, momentan bin ich noch Gläser-Atheist. Nehmen wir doch gleich mal die ersten Schnupperkurse bei den normalen Gläsern: klassischer Cabernet mit einer schönen schwarzen Cassis, ein bisschen Paprika, leichte Pfeffernoten mit bei, abgerundet mit einem Hauch Vanille vom Fass. Gibt auch im normalen Glas eine ganz schöne, klassische Nase ab, auch ohne dekantiert zu sein. Im zweiten Anlauf wollen wir jetzt zu den 'atmenden' Gläsern von Eisch gehen. Hmm, tja... Sehr zum Wohl.'
Reiner Veit: 'Zum Wohl.'
[Es wird pokuliert.]
Gerhard Retter: 'Dem Wein schadet es nicht, wenn er ein paar Minuten auf jeden Fall im Glase stehen bleibt oder auch in die Karaffe kommt. Aber zudem sollen die Gläser ja auch da sein, d.h. wir werden mal ein paar Minuten verstreichen lassen und uns dann wieder um das atmende Glas kümmern.'
Eisch Breathable Glas - Das Testergebnis
So, jetzt wird es wieder Zeit fürs atmende Eisch Glas, Gerhard Retter vom Adlon und der Frage: Was ist mit dem guten Roten im 'breathable' Glas von Eisch passiert?
Gerhard Retter: 'Wenn ich jetzt die Nasen vergleiche, riecht er weicher, zugänglicher, offener. Ich bin wirklich überrascht. Ich hätte nicht gedacht, dass ein Unterschied feststellbar ist. Und momentan ist er für mich gegeben. Ich werde einfach beim ersten noch ein bisschen nachgießen (nimmt einen Schluck und schmeckt). Hmmmm, also ich muss wirklich gestehen, der Wein ist im zweiten Glas (im Eisch breathable Glas a.d.R.) einfach geschmeidiger, runder, früher zugänglicher.'
Der 'Oberkellner des Jahres' und Sommelier Gerhard Retter vom Lorenz Adlon zum 'atmenden' Glas der Glashütte Eisch.
Der Chef der Glashütte Eisch kommt zu Wort
Eberhard Eisch, mit dem Reiner Veit telefoniert hat, hat ihm zwar nicht verraten, was mit den Gläsern passiert, dafür aber, welche Reaktion die Behandlung hervorruft:
Eberhard Eisch: 'Man kann sich das so vorstellen, dass wir durch die Behandlung des Eisch Glases nur die Reaktion beschleunigen, die ohnehin im Wein abläuft. Wenn man die Weinflasche aufmacht, dann atmet diese an der Luft. Nur dauert das relativ lange und diesen Prozess beschleunigen wir.'
Reiner Veit: 'Und Sie haben darauf das Weltpatent?'
Eberhard Eisch: 'Ja. Wir sind die einzigen, die wissen, wie man das macht. Das ist auch an einem sehr geheimen Ort der Eisch Glashütte anzutreffen. Von daher ist es gesichert.'
Reiner Veit: 'Wir haben ja nun festgestellt, dass genau dieses Ergebnis, das Sie versprechen, auch erzielt wird. Weshalb werden dann nicht gleich alle Gläser 'atmend' fabriziert?'
Eberhard Eisch: 'Das ist eine Frage des Marketings. Mittelfristig denken wir auch daran, alle Eisch Gläser entsprechend umzustellen.'
Reiner Veit: 'Dieses Glas, Herr Eisch, holt nicht nur das Gute am Getränk, am Wein, hervor, sondern - insofern vorhanden - unterstreicht natürlich auch heftig dessen schlechte Seiten. Ist das ein Manko?'
Eberhard Eisch: 'Das Glas ist einfach nur ehrlich. Und verstärkt alle Aromen, selbst wenn es eine leichte Korknote ist, die man ansonsten gar nicht so sehr bemerken würde. Es ist einfach ein ehrliches Glas und es ist ein Glas, das vielleicht auch dazu erzieht, bessere Weine zu trinken.'
Reiner Veit: 'Für wen sind diese Gläser gedacht? Beim Weintrinken sei man ja nicht auf der Flucht, kommentierte ein Sommelier die atmenden Gläser von Eisch, der aber feststellen musste, dass es absolut funktioniert, was Sie versprechen.'
Eberhard Eisch: 'Man ist sicherlich nicht auf der Flucht beim Weintrinken. Allerdings steht häufig nicht die Zeit zur Verfügung, um entsprechend zu dekantieren. Für diesen Fall sind die Eisch Gläser gedacht, um auch hier einen optimalen Weingenuss zu garantieren. Für den Fall, dass genügend Zeit ist, steht immer auch die Dekantierkaraffe bereit, um das Dekantieren zu zelebrieren. Da haben wir absolut nichts dagegen. Wir wollen nur für die verschiedenen Anlässe auch die optimale Ausstattung anbieten.'
Reiner Veit: 'Sie exportieren diese Gläser ja auch weltweit. Liegt das an Amerika, weil da ja alles immer ein bisschen schneller gehen soll; das Land, in dem die Eisch Gläser am besten gehen?'
Eberhard Eisch: 'Es ist in der Tat so, dass wir in Amerika schon relativ weit sind und in die Gastronomie bereits entsprechende Mengen liefern. Es hält sich inzwischen in Amerika und Deutschland die Waage, wobei das Potenzial in den USA sicherlich größer ist, als hier auf unserem heimischen Markt.'
Reiner Veit: 'Gibt es hier die Gastronomie, die auch eine wesentliche Rolle spielt, oder sind es eher die Privatkunden, die sich für das atmende Glas begeistern?'
Eberhard Eisch: 'Was den deutschen Markt betrifft, ist für uns eher noch der Privatkunde interessant. Die Gastronomie ist hier noch im Aufbau befindlich. In den USA ist es eher umgekehrt. Dort waren die ersten Kontakte und der erste Aufbau in der Gastronomie, so dass das dort schon entsprechend läuft und da der Privatsektor aufgebaut wird.'
Reiner Veit: 'Aber eigentlich müsste es doch für die Gastronomie, für die gehobene Bistro-Gastronomie zum Beispiel - es müssen ja nicht unbedingt die Gourmet-Restaurants sein - ein gefundenes Glas sein, dass man nämlich einen guten Wein auch besser zur Geltung bringt durch dieses Glas, weil die Leute bestellen und gleich das Glas haben wollen.'
Eberhard Eisch: 'Absolut. Das Glas ist eigentlich prädestiniert für die Spitzen-Gastronomie. Es gibt dort auch die ersten Plätze, an denen die Eisch Gläser verwendet werden - auch in Europa, auch in Deutschland. Dass wir hier noch etwas im Aufbau sind, liegt eigentlich mehr an der Firmentradition. Wir waren über viele Jahre mehr mit dem Fachhandel, mit dem Endverbraucher beschäftigt und die Gastronomie ist für uns noch ein etwas neueres Feld. Geeignet für die Gastronomie ist das Eisch breathable Glas absolut, wie gesagt, geradezu prädestiniert. Wir sehen es auch gerade an den Zahlen in den USA, dass es auch wirklich angenommen wird.'
Eberhard Eisch von der Glashütte Eisch über deren 'atmende' Gläser. Die 'breathable' Gläser kosten zwischen 12 und 17 Euro pro Stück. Reiner Veit haben sie überzeugt.